Unsere Meere sind die reinste Plastiksuppe

7. September 2017 00:00 • Jana Kerkhoff

Unsere Meere sind die reinste Plastiksuppe

Seit Monaten hört man in den Medien viel zu dem Thema "Plastiksuppe" in unseren Ozeanen. Unsere Ozeane sind mit kleinen Kunststoffpartikeln verseucht, auch als Mikroplastik bekannt. Diese kleinen Plastikteilchen werden von den Meerestieren mit der Nahrung aufgenommen. Das ist nicht nur ungesund für die Tiere, sondern auch für uns Menschen. Forscher haben erkannt, dass diese Plastikteilchen nicht nur in Fischen und Vögeln, sondern auch in Honig und Blättern zu finden sind. Diese Partikel sind so klein, dass sie Zellwände passieren können, daher vermuten Forscher auch, dass wir diese Partikel unbemerkt einatmen und diese damit in unseren Blutkreislauf gelangen.

Woher kommen diese Kunststoffpartikel in der "Plastiksuppe"?
Seit Jahren wird darauf hingewiesen, dass die Kosmetikindustrie mikroskopisch kleine Plastikkugeln in Shampoo oder Duschgel verarbeitet. Aber nun steht auch die Frage im Raum ob auch synthetische Kleidung zur „Plastiksuppe“ beiträgt.

Was sind synthetische Stoffe?
Synthetische Kleidung und Stoffe sind vom Menschen geschaffen. Der Rohstoff dieser Art von Produkten ist oft chemisch und auf Basis von Erdöl. Bekannte synthetische Materialien sind z.B.:
Polyester
Nylon
Acryl

Polyester findet ihr vor allem in Sportbekleidung, aber auch in Hosen und Mänteln. Nylon ist eigentlich ein Markenname, das viele Leute mit Strumpfhosen verbinden und Acryl ist oft ein günstiger Ersatz für Wolle. Kurz gesagt, Kleidung aus synthetischen Materialien befinden sich in so gut wie jedem Kleiderschrank. Die Meinungen über synthetische Stoffe und Nachhaltigkeit gehen stark auseinander. Synthetische Stoffe kommen nicht von Tieren oder Pflanzen. Das bedeutet also, dass hier keine Umweltverschmutzung durch Pestizide oder Dünger erfolgt, oder Tiere leiden müssen. Auch wird bei der Herstellung von synthetischen Fasern sehr viel weniger Wasser verwendet als z.B bei dem Anbau von Baumwolle. Darüber hinaus gibt es weniger Materialverschwendung und strengere Vorlagen für die Arbeit mit Chemikalien. So ist der Produktionsprozess auf den ersten Blick umweltschonender als bei den meisten natürlichen Materialien. Nun entstehen viele synthetische Stoffe aber aus fossilen Brennstoffen und verwenden viel Energie im Produktionsprozess. Polyester wird aus Rohöl gefertigt, darüber hinaus benötigen diese Substanz eine Vielzahl chemischer Mitteln, um bestimmte Eigenschaften zu erlangen. Außerdem, ist Polyester nicht biologisch abbaubar (bzw. es dauert Ewigkeiten)und befüllt damit unsere Mülldeponien.  Daher sind synthetische Substanzen oft ethisch verantwortungsvoller, aber nicht umweltfreundlich im Vergleich zu natürlichen Materialien.

 

Life + Mermaids und die Plastic Soup Foundation haben in den letzten 3 Jahren sehr viel Forschung über das Waschen von synthetischen Kleidung betrieben und herausgefunden wie viele Fasern freigesetzt werden. Es stellte sich also heraus, dass pro Waschgang in der Waschmaschine im Durchschnitt 20 Millionen (!) Bekleidungsfasern verloren gehen. Dabei ist Fleece der größte "Verursacher"!

 

 

 Leider sind diese Forschungsergebnisse noch ziemlich neu und viele Firmen sind sich dessen nicht bewusst. So wird von der Bekleidungsindustrie wenig getan, um sicherzustellen, dass synthetische Kleidung diese Fasern nicht verliert. Nur wenige Marken wie z.B. die Outdoor-Marke Patagonia und die Denim Marke G-Star haben sich dazu geäußert. Die perfekte Lösung wäre natürlich wenn diese Fasern sich nicht mehr von der Kleidung lösen würde. Darüber hinaus aber könnten auch die Waschmaschinenhersteller eingreifen und z.B. Filter einbauen, um diese Art von Partikel aus dem Spülwasser zu extrahieren.

Was kannst du dagegen tun? Niemals mehr waschen?Nein natürlich nicht. Es gibt einige einfache Dinge, die du machen kannst. Zuerst denke erst nach bevor du ein Kleidungsstück in die Waschmaschine wirfst. Ist es wirklich notwendig, dieses Produkt zu waschen? Oder reicht es aus, einen Fleck mit einem lauwarmen Tuch zu entfernen, oder vielleicht einfach mal draußen auszulüften. Wenn es nicht anders geht und du wirklich waschen musst, mache es so:

Mach die Waschmaschine gut voll

Verwende Flüssigwaschmittel anstatt Pulver

Verwenden Weichspüler

Wasche bei niedriger Temperatur

Wasche bei niedrigen Schleudergang

Lass deine Wäsche an der Luft trocknen anstatt einen Trockner zu benutzen.

 

Durch diese einfachen Schritte werden weniger Fasern freigesetzt und dies trägt weniger zur „Plastiksuppe“ bei.  Eine angenehme Nebenwirkung ist auch, dass, wenn weniger Fasern verloren gehen, die Kleidung länger schön bleibt. Glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen, die das Problem der "Plastiksuppe" erkennen und etwas dagegen tun. Zum Beispiel hat die deutsche Marke Langbrett den Guppy Friend entwickelt. Dies ist ein Waschbeutel, der Fasern fängt. Der Guppy Friend ist bereits in ihrem Webshop und in den Filialen von Langbrett & Patagonien erhältlich.

In Amerika hat das "The Rozalia Project" derzeit einen Crowd Funding für den Cora Ball am Laufen. Dies ist ein Ball, der Textilfasern und Haaren aus dem Waschwasser filtert.

 

 

Hoffentlich, schließt sich auch die Mode- & Textilindustrie dieser Suche nach Lösungsansätze an, so dass die "Plastiksuppe" bald der Vergangenheit angehören wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kategorie: Umwelt

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