Was steckt drin und ist das gut so? - Alles über nachhaltige Materialien

18. Oktober 2017 09:14 • Jana Kerkhoff

Was steckt drin und ist das gut so? - Alles über nachhaltige Materialien

Bei der Suche nach nachhaltiger und bewusster Mode kommt es oft auf die Materialien an. Woraus ist ein Kleidungsstück gefertigt und warum ist das nachhaltiger als die Sachen, die ich eh schon im Schrank habe? Unser Blog Post gibt euch diese Woche eine Übersicht, worauf ihr beim Material achten solltet und warum diese Stoffe nachhaltiger sind als andere.

 

Bio Baumwolle

Vorteile:
Bio-Baumwolle unterscheidet sich zu konventionell verwendeter Baumwolle in der Art des Anbaus. Beim Anbau von Bio-Baumwolle dürfen keine toxischen Pestizide oder Düngemittel verwendet werden und auch genmanipuliertes Saatgut ist verboten. Normalerweise wird auch der Wasserverbrauch um 95% reduziert, da Bio-Baumwolle in Gegenden angebaut wird wo hauptsächlich Regenwasser zur Bewässerung verwendet wird und durch Fruchtwechsel auf den Feldern eine dickere Humusschicht entsteht, die Wasser besser speichert.

Nachteile:
Bio-Baumwolle wächst leider langsamer als konventionelle Baumwolle und auch die Knospen sind kleiner. Daher wird zurzeit nur 1% der weltweiten Baumwolle biologisch angebaut.

 Wie erkenne ich Bio-Baumwolle:
Mit dem GOTS-Zertifikat und der „kbA“ (=kontrolliert biologischer Anbau) Kennzeichnung, kannst du ziemlich sicher sein, dass die Baumwolle bio ist.

 

 

Bambus-Viskose

Wir alle kennen Bambus als Deko, aber diese robuste Pflanze kann tatsächlich zu Viskosefasern verarbeitet werden.
Vorteile:
Bambus wächst extrem schnell, in manchen Regionen sogar bis zu einem Meter am Tag. Der Stoff ist sehr atmungsaktiv und trocknet schnell.

Nachteile:
Leider ist die Verarbeitung von Bambus zur Bambus-Viscosefaser sehr aufwändig und benötigt viele Chemikalien. Es gibt auch eine pure Bambusfaser, die allerdings noch sehr selten verwendet wird.

 

Tencel Lyocell


Vorteile:
Die Faser der österreichischen Firma Lenzin wird aus Holz und in einem geschlossenen Kreislauf hergestellt, indem Zusatzstoffe und Lösungsmittel wiederverwendet werden. Der dafür benötigte Rohstoff, Eukalyptus, kommt aus nachhaltiger Forstwirtschaft und wird biologisch angebaut. In der Herstellung der sehr atmungsaktiven und feuchtigkeitsabsorbierenden Faser wird bis zu 20 mal weniger Wasser verwendet als beim Baumwollanbau. Außerdem ist Lyocell biologisch abbaubar, hinterlässt also keine Reste auf dem Müllberg.

Nachteile:
Lyocell hat keine erkennbaren Nachteile. Wichtig ist aber, dass der Stoff von der Firma Lenzin kommt, denn mittlerweile gibt es auch nachgemachte Lyocell-Stoffe, deren Nachhaltigkeit nicht garantiert ist.

 

 

Hanf

 

Hanf kann als Baumwolle oder Leinen verwendet werden. In Bezug auf Baumwolle hat Hanf einige interessante Merkmale.
Vorteile:
Hanf ist viermal stärker als Baumwolle und nimmt doppelt so viel Feuchtigkeit auf. Stoff aus Hanf ist weniger anfällig für Schrumpfung, Pilzbefall und Verfärbung durch die Sonne und hat außerdem einen leistungsstarken UV-Filter. Jungpflanzen wachsen sehr schnell in jedem Klima, ohne Pestizide und mit viel weniger Wasser als Baumwolle.

Nachteile:
Hanf ist eine härtere Faser, die den Stoff rau macht. Heutzutage gibt es viele Methoden, um den Stoff weicher zu machen, was aber oft nur mit Chemikalien möglich ist. 
Der Hanfanbau ist in einigen Ländern verboten, da er mit Cannabis verwechselt wird. Diese Pflanzen gehören in der Tat der gleichen Familie an, allerdings ist das einzige was man bekommt, wenn man die Hanfpflanze versucht zu rauchen, einen dicken Kopfschmerz.

 

Recyceltes Polyester

Generell könnt ihr davon ausgehen, dass ein recyceltes Material umweltfreundlicher und nachhaltiger ist als ein Neues, denn bereits vorhandene Stoffe werden wiederverwendet.
 Vorteile:
Polyester ist ein thermoplastisches Material. Dies bedeutet, dass es sich schmelzen lässt und eine neue Faser daraus produziert werden kann - und das ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Der Recyclingvorgang benötigt weniger Energie als die Produktion von normalem Polyester und auch der Wasserverbrauch ist deutlich geringer.

 Nachteile:
Leider ist Polyester nicht unendlich recyclebar. Zudem wird es oft mit anderen Fasern gemixt, kann von diesen aber (noch) nicht wieder getrennt werden. Hierfür wird dann häufig PET verwendet, was durch den Gebrauch von Wasserflaschen en masse erhältlich ist. Da Polyester nun mal aus Öl besteht, werden beim Schmelzen giftige Substanzen freigesetzt und auch das Färben ist aufwendiger.

 

Hier also ein kleiner Guide zu den wichtigsten bzw. momentan noch meist verwendeten nachhaltigeren Materialien. Es gibt natürlich noch mehr und glücklicherweise wird auch viel daran geforscht. Bei Fragen und Anregungen oder für eure Meinung über diesen Beitrag und unsere anderen Blog Posts, schreibt uns gerne eine E-Mail oder lasst einen Kommentar da.

 

 

 

Quellen

Sustainable Materials Guide @2016, Modint BV Zeist, The Netherlands

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/bambus-nachhaltiger-rohstoff-fuer-die-textilherstellung

http://www.lenzing-fibers.com/tencel/

 

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Kategorie: Wissen

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